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Was ist das Budget für Arbeit?

Aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt — für viele Menschen ist das der Wunsch und zugleich die größte Sorge. Das Budget für Arbeit nimmt beiden Seiten das Risiko: Der Betrieb bekommt einen Zuschuss, du bekommst Begleitung, und wenn es nicht funktioniert, steht der Weg zurück offen.

Von Marco Fütterer, Geschäftsführung Stand: August 2026 10 Minuten

Entwurf. Dieser Text ist noch nicht freigegeben. Die Gesetzesangaben sind belegt, die Angaben aus unserer Praxis stehen unter Vorbehalt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Menschen mit Anspruch auf den Arbeitsbereich einer Werkstatt, denen ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis angeboten wird§ 61 Abs. 1 SGB IX.
  • Der Betrieb bekommt bis zu 75 Prozent des Arbeitsentgelts als Lohnkostenzuschuss — die frühere Obergrenze von 40 Prozent der Bezugsgröße ist seit 2024 entfallen.
  • Dazu kommt die Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz, bezahlt vom Träger, nicht vom Betrieb.
  • Das Rückkehrrecht in die Werkstatt bleibt bestehen§ 220 Abs. 3 SGB IX. Niemand verliert seinen Platz, weil er es versucht hat.

Wer bekommt es? §

Zwei Dinge müssen zusammenkommen§ 61 Abs. 1 SGB IX. Erstens: Du hast Anspruch auf Leistungen im Arbeitsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen. Es geht also um Menschen, für die die Werkstatt der vorgesehene Weg wäre — ob du dort tatsächlich arbeitest, ist nicht entscheidend.

Zweitens: Ein Betrieb bietet dir ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis an. Das Budget setzt eine konkrete Stelle voraus, es ist keine Leistung auf Vorrat. Ein Minijob genügt nicht.

Der Arbeitsvertrag ist ein normaler Arbeitsvertrag: mit Lohn, Urlaub, Kündigungsschutz und Rentenversicherung. Genau darin liegt der Unterschied zur Werkstatt, wo man kein Arbeitnehmer ist, sondern ein arbeitnehmerähnliches Rechtsverhältnis hat.

Was der Betrieb bekommt — und was du §

Das Budget besteht aus zwei Teilen, und beide zahlt der Träger der Eingliederungshilfe, nicht der Betrieb.

Der erste ist der Lohnkostenzuschuss an den Arbeitgeber, gedacht „zum Ausgleich der Leistungsminderung des Beschäftigten". Er beträgt bis zu 75 Prozent des regelmäßig gezahlten Arbeitsentgelts§ 61 Abs. 2 SGB IX. Dauer und Umfang richten sich nach den Umständen des Einzelfalls — es gibt also keine feste Laufzeit, die nach zwei Jahren endet.

Der zweite Teil ist die Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz, soweit sie wegen der Behinderung erforderlich ist. Das ist der Teil, den ein Assistenzdienst erbringt: jemand, der da ist, einarbeitet, Abläufe erklärt, bei Bedarf unterstützt. Diese Begleitung können übrigens mehrere Beschäftigte gemeinsam in Anspruch nehmen§ 61 Abs. 4 SGB IX — für Betriebe, die mehrere Menschen im Budget für Arbeit beschäftigen, ist das praktisch.

Was viele befürchten Was wirklich passiert
Wenn es schiefgeht, stehe ich ohne Werkstattplatz da. Nein. § 220 Abs. 3 SGB IX gibt dir einen Anspruch auf Aufnahme in eine Werkstatt, wenn du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht bleiben kannst. Das Rückkehrrecht ist der Grund, warum sich der Versuch überhaupt wagen lässt.
Der Zuschuss ist gedeckelt, für einen normalen Lohn reicht er nicht. Das galt bis Ende 2023. Die Obergrenze von 40 Prozent der Bezugsgröße ist zum 1. Januar 2024 entfallen — unter anderem, weil sie mit dem gestiegenen Mindestlohn nicht mehr zusammenpasste.
Ich verliere meine Rentenansprüche aus der Werkstatt. Im Budget für Arbeit bist du sozialversicherungspflichtig beschäftigt und zahlst in die Rentenversicherung ein. Wie sich das im Vergleich zur Werkstattrente auswirkt, hängt vom Einzelfall ab — das solltest du dir vorher ausrechnen lassen.

Der Punkt, an dem viele Seiten veraltet sind §

Bis Ende 2023 stand im Gesetz, der Lohnkostenzuschuss dürfe 40 Prozent der monatlichen Bezugsgröße nicht übersteigen. Das war eine harte Grenze, und sie machte das Budget für Arbeit bei höheren Löhnen unattraktiv: Was über dem Deckel lag, musste der Betrieb selbst tragen.

Das Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarkts hat diese Deckelung zum 1. Januar 2024 aufgehoben. Ausschlaggebend war unter anderem, dass der Mindestlohn gestiegen war und der gedeckelte Zuschuss die Leistungsminderung immer seltener ausglich.

Im heutigen Gesetzestext steht nur noch die 75-Prozent-Grenze. Trotzdem nennen viele Ratgeberseiten, Merkblätter und sogar Beratungsstellen den alten Deckel weiter. Wenn dir jemand sagt, mehr als rund 1.500 Euro gebe es nicht: Das stimmt seit über zwei Jahren nicht mehr.

Was das für einen Betrieb bedeutet §

Für Arbeitgeber ist das Budget für Arbeit günstiger, als die meisten annehmen. Der Zuschuss deckt bis zu drei Viertel des Lohns, die Begleitung am Arbeitsplatz kostet den Betrieb nichts, und seit dem Anzeigejahr 2024 zählen Beschäftigte im Budget für Arbeit zwei Jahre lang doppelt auf die Pflichtarbeitsplätze — das senkt die Ausgleichsabgabe.

Eine Grenze gibt es: Der Zuschuss ist ausgeschlossen, wenn zu vermuten ist, dass der Betrieb ein anderes Beschäftigungsverhältnis beendet hat, um durch die Ersatzeinstellung den Zuschuss zu bekommen§ 61 Abs. 3 SGB IX. Das Budget soll Stellen schaffen, nicht ersetzen.

Wie es praktisch abläuft §

Am Anfang steht fast immer ein Praktikum oder eine betriebliche Erprobung — jemand aus der Werkstatt arbeitet einige Wochen im Betrieb mit. Das ist der Moment, in dem sich zeigt, ob es passt, und beide Seiten können ohne Risiko schauen.

Passt es, stellt der Träger der Eingliederungshilfe das Budget fest. Beantragt wird formlos wie jede andere Leistung der Eingliederungshilfe auch; die Fristen aus §§ 14 und 18 SGB IX gelten ebenso. Parallel wird der Arbeitsvertrag geschlossen und geklärt, wie viel Begleitung nötig ist.

Danach beginnt die Arbeit — und mit ihr die Begleitung, die anfangs meist intensiver ist und später weniger wird. Wie viel es braucht, entscheidet sich im Alltag, nicht am Schreibtisch.

Was wir dabei tun §

Die Anleitung und Begleitung am Arbeitsplatz nach § 61 Abs. 2 SGB IX ist unsere Seite des Budgets: Wir stellen die Person, die dich einarbeitet und im Arbeitsalltag unterstützt — abgestimmt darauf, was der Job verlangt und was du selbst kannst.

Beim Antrag auf Eingliederungshilfe gehen wir gemeinsam mit dir vor, das ist unsere Kernleistung. Was die Werkstatt, der Betrieb und der Träger untereinander regeln, bleibt deren Sache — wir sortieren aber gern mit dir, wer wofür zuständig ist.

Dieses Thema gibt es auch in Leichter Sprache.

Häufige Fragen dazu

Muss ich vorher in einer Werkstatt gearbeitet haben?

Nein. Es genügt, dass du Anspruch auf Leistungen im Arbeitsbereich einer Werkstatt hättest§ 61 Abs. 1 SGB IX. Ob du dort tatsächlich beschäftigt warst, ist nicht entscheidend.

Wie hoch ist der Lohnkostenzuschuss?

Bis zu 75 Prozent des regelmäßig gezahlten Arbeitsentgelts. Die frühere Obergrenze von 40 Prozent der Bezugsgröße ist zum 1. Januar 2024 entfallen.

Wie lange läuft das Budget?

Es gibt keine feste Höchstdauer. Dauer und Umfang bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalls§ 61 Abs. 2 SGB IX. Das Budget ist ausdrücklich nicht als befristete Einstiegshilfe gedacht.

Kann ich in die Werkstatt zurück, wenn es nicht klappt?

Ja. § 220 Abs. 3 SGB IX gibt dir einen Anspruch auf Aufnahme in eine Werkstatt. Genau dieses Rückkehrrecht macht den Versuch erst zumutbar.

Was hat mein Arbeitgeber davon?

Bis zu 75 Prozent Lohnkostenzuschuss, keine Kosten für die Begleitung am Arbeitsplatz und seit dem Anzeigejahr 2024 die doppelte Anrechnung auf die Pflichtarbeitsplätze für zwei Jahre.

Ist das dasselbe wie das Persönliche Budget?

Nein, obwohl die Namen ähnlich klingen. Das Persönliche Budget ist eine Form, in der du Leistungen erhältst — als Geld statt als Sachleistung. Das Budget für Arbeit ist eine eigene Leistung mit eigenem Zweck.

Alle Beträge in diesem Beitrag gelten für 2026 und wurden am 08.08.2026 am Gesetzestext geprüft. Die Rechengrößen des Sozialrechts ändern sich zum 1. Januar jedes Jahres.

Das Rückkehrrecht nimmt dem Versuch das Risiko

Wer es probiert und feststellt, dass es nicht passt, hat einen Anspruch auf einen Werkstattplatz. Das ist der Grund, warum sich der Schritt lohnt.